Überblick
Am 9. Januar 2026 haben die EU‑Mitgliedstaaten grünes Licht für die Unterzeichnung des EU‑Mercosur‑Partnerschaftsabkommens (EMPA) sowie eines Interim Trade Agreement (iTA) gegeben – ein Meilenstein nach über 25 Jahren Verhandlungen.
Während das iTA soll bereits zentrale Handelsvorteile vorläufig nutzbar machen, umfasst EMPA zusätzlich politische und Kooperationskapitel und erfordert die Ratifikationen aller Mitgliedstaaten. Die Zustimmung des Europäischen Parlaments ist für das Inkrafttreten unabdingbar. Die Unterzeichnung durch die Mercosur‑Seite ist für den 17. Januar 2026 in Asunción geplant.
Das Abkommen schafft eine der größten Freihandelszonen der Welt und zielt u. a. darauf ab, EU‑Exporte mit hohen Drittlandszöllen (z. B. bis zu 35 % auf Autos und Teile) wettbewerbsfähiger zu machen und nichttarifäre Hemmnisse abzubauen. Zudem sollen Nachhaltigkeitsstandards verankert werden. Für sensible Agrarimporte sind Schutzklauseln, Quoten und Krisenmechanismen vorgesehen. Parallel dazu wurden Importkontrollen (u. a. zu Pestizidrückständen) verschärft. Zugleich bilden die Kapitel zu Nachhaltigkeits‑ und Arbeitsrechten einen zentralen Rahmen.
Das Warenhandelsvolumen zwischen der EU und dem Mercosur lag 2024 bei rund EUR 111 Mrd. Modellrechnungen sehen insgesamt positive, wenn auch moderat verteilte Effekte mit klaren Vorteilen für EU‑Industrien. Politisch bleibt Widerstand – u. a. von landwirtschaftlich geprägten Mitgliedstaaten – spürbar, weshalb die Parlamentsbefassung aufmerksam zu verfolgen sein wird.
Praktische Auswirkungen – was sich konkret ändern soll
1. Zollabbau, Marktzugang und Regeln der Herkunft
- Zollsenkungen auf über 90 % des bilateralen Warenhandels in Übergangszeiträumen (viele Industriegüter der EU befinden sich bereits im iTA). Für EU‑Exporte sollen binnen 15 Jahren ~91 % zollfrei werden. Spiegelbildlich dazu werden auf Mercosur‑Seite EU‑Zölle weitgehend eliminiert. Die Automotive‑Zölle von bis zu 35 % fallen schrittweise. Die Beachtung der sog. Rules of Origin (lokale Wertschöpfung/Listenregeln) wird geschäftskritisch.
- Agrar‑ und Rohstoffströme: Mehr Marktzugang für Mercosur‑Agrarprodukte (quotiert und mit Safeguards); in der Gegenrichtung profitieren EU‑Industriegüter, Nahrungs‑ und Genussmittel mit geschützten Herkunftsangaben (GI).
2. Nachhaltigkeit, Compliance und Lieferketten
- TSD‑Kapitel (Trade und Sustainable Development) mit Verpflichtungen zu Arbeits‑ und Umweltstandards, Entwaldungsprävention und Überwachungsmechanismen; flankiert durch EU‑Instrumente (z. B. strengere Importkontrollen, Deforestation‑Free‑Regeln). Unternehmen sollten ihre Due‑Diligence‑Prozesse und ihr Lieferketten‑Tracing entsprechend anpassen.
3. Nichttarifäre Hemmnisse & Regulatorik
- Vereinfachungen bei technischen Vorschriften, Konformitätsbewertung und Zulassungen können die Time‑to‑Market reduzieren. Gleichzeitig müssen jedoch weiterhin die geltenden Produktsicherheits‑, Chemikalien‑ (REACH‑ähnliche Anforderungen), Daten‑ und Verbraucherschutzregeln beachtet werden.
4. Beschaffung & Streitbeilegung
- Verbesserte öffentliche Beschaffungschancen in ausgewählten Sektoren (landesspezifisch), und klarere Streitbeilegungsmechanismen (mit eigenem Verfahren im TSD‑Kapitel).
Was Unternehmen jetzt angehen sollten
1. Mercosur‑Impact‑Scan
- Zoll‑ und Marktzugangs‑Mapping (Zollsätze, Übergangsfristen, Quoten, Safeguards), Rules of Origin inkl. Lieferantenerklärungen und Produktklassifizierung (HS/KN).
2. Marktstrategie & Go‑to‑Market
- Vertriebs‑, JV‑ oder M&A‑Optionen vergleichen; Greenfield vs. Brownfield; staatliche Infrastruktur‑/Energieprogramme sondieren.
3. Regulatory & Compliance Readiness
- Nachhaltigkeits‑ und Compliance‑Anforderungen modellieren.
4. Supply‑Chain‑Design
- Lokalisierungsgrade für Ursprungsregeln, Sicherheitsbestände, Servicenetz; Vertragswerke (Incoterms, Haftung, Force Majeure, Schiedsgerichtsbarkeit) aktualisieren.
5. Finanzierungs‑Check
- Nutzung von EU‑Krisenfonds oder Förderprogrammen zur Abfederung.
Wie Deloitte Legal und Deloitte Sie unterstützen können
Mit unseren interdisziplinären Teams aus den Fachgebieten Recht, Steuern und Compliance‑ und Nachhaltigkeit bieten wir:
- Tiefe Expertise zu zoll‑, wirtschafts‑ und sanktionstechnischen Themen im Zusammenhang mit Mercosur.
- Unterstützung bei der rechtssicheren Integration von Nachhaltigkeitsanforderungen in Geschäftsprozesse.
- Umfassende Beratung zur Lieferkettenoptimierung, Strukturierung von Tochtergesellschaften und zur Fördermittelbeantragung.
- Umfassende Beratung zu Joint Venture und M&A-Projekten, in Deutschland und LATAM
- Enge Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Deloitte‑Teams – von Logistik über Steuerberatung bis HR.
Stand: 14. Januar 2026